Flaschengeist

Gestern, in meinem geliebten Land, als ich vor dem König stand, wollte er wieder hören allerhand. Wie ein Bogen gespannt, sass er dennoch elegant auf seinem Thron, seine volle Aufmerksamkeit mir zugewandt und sein Deodorant fand leichter Hand meine Nasenwand.

«Erzähl mir, wie die Geschichte weitergeht, du Poet der Worte und Prophet!», sagte er mir zugedreht, in seinem Hermelinmantel, der immer etwas offen steht und dessen Modrigkeit bis zu mir hinunter weht.

Was also nahesteht, ist, dass ich beredt mein Märchen weiter zerred, in mir das Bittgebet, dass des Königs Neugierde nicht vergeht. (Hab schon Angst, dass ich werde zu Wildbret für dieses Fresspaket und ohne Widerred verspiesen werd!)

Bis zum Abendrot redete ich mich also mit Mühe und Not um Kopf und Kragen. Dann, vom Erzählen hochrot, ich um etwas Wasser und Knäckebrot bat. Der König klatschte und lachte sich halbtot und sagte: «Sapperlot! Gebt diesem Narren mit Luftnot sein Wurstbrot vom Sonderangebot!»

Trotz Rauchverbot rauchte ich eine, bevor ich mich liess zu Bette gleiten. Wieder musste ich beizeiten einen weiteren Alltag bestreiten. Lasst mich jetzt vom Flaschengeist verleiten, in dessen Armen ich träum vom König und seinen Blödheiten. Irgendwann jedoch werde ich zu Märchen-Zeiten, ein Messer ziehen aus einer meiner Jackenseiten ... und blitzschnell zum Thron hinschreiten, wo es des Königs Kopf wird durchgleiten, zwei Hirnhälften, die sich rechts und links ausbreiten, als Strafe für meine Folterzeiten.

«König, das sind die Kehrseiten des Narren Lernzeiten. Sorry.»

 

 

 

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