Robert ist mit 68 Jahren an einem Hirnaneurysma gestorben. Heidi trauert lange. Sie überlegt, ob sie die Asche ihres geliebten Ehemannes zu einem kleinen Diamanten pressen lassen soll. Etwas Exklusives soll es sein, das schuldet sie ihm, nach all den schönen Lebensjahren zusammen. Doch irgendwie stösst sie die Vorstellung ab, ihn in einem kleinen Schmuckkästchen aufzubewahren, oder ihn sogar als Ring am Finger zu tragen. Also informiert sie sich über Weltraumbestattungen. Sie liest, dass es suborbitale Flüge gibt und auch orbitale. Diese Urnenkapseln werden höher abgeschossen und verglühen beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Nein, Robert soll nicht verglühen wie eine Sternschnuppe. Das wäre nur ein kurzer Moment. Dann stösst sie auf die luxuriöseste Variante: die Landung der Urne nach einigen Tagen auf der Mondoberfläche. Dafür braucht sie nur sieben Gramm der Asche und könnte den Rest noch hier auf dem Friedhof beerdigen. Es wird sie einige tausend Euro kosten. Egal. Das ist es. Robert auf dem Mond. Für immer. Doch leider führt nur das US-amerikanische Unternehmen «Celestis Space Services» diese Transporte durch.

Nach knapp zwei Wochen sitzt Heidi im Flieger nach Amerika. Bei sich: 7 Gramm Robert. Bei Vollmond würde sie den Mann im Mond nun endlich erkennen können.

 

Eine Woche später. Zwei der Gmorks schleimen über die Krater der hinteren Mondoberfläche. Da bleibt einer stehen und sagt: «Guck mal da, schon wieder Weltraum-Müll von denen da unten. Und jetzt sogar noch hinter dem Mond!» Der andere Gmork schüttelt verständnislos den Kopf, kommt näher, nimmt das metallartige Teil und dreht es in seinen Händen.

«Thermoskanne?»

«Nö, da raschelt's drin», antwortet der andere Gmork. Er guckt es von allen Seiten an, dann staunt er: «Oh, das Ding kann man aufschrauben, siehste? Da!»

«Lass das! Wir nehmen`s mit aufs Schiff.»

Auf der Rückseite des Mondes steigen sie in ihr Raumfahrzeug und setzen sich an den Küchentisch. Der Metallbehälter steht in der Mitte. Drei andere Gmorks gesellen sich dazu.

«Was das?», fragt einer und streckt seine schleimige Hand aus. Der Obergmork haut ihm eine drauf und meint: «Ich hab's gefunden! Ich öffne es!»

Alle sind ruhig und blicken gespannt zu, wie die Metallkapsel aufgeschraubt wird. Der Gmork guckt rein.

«Und?», rufen alle gespannt.

«Seh nix», antwortet der Obergmork und dreht die Kapsel um. Da rieselt etwas Graues heraus und stäubt leicht in der Luft.

«Ah, kenn ich!», schreit plötzlich ein dünner Gmork und läuft aus der Küche. Kurz darauf kommt er mit einem Metall-Röhrchen in der Hand zurück. Er schiebt etwas von dem grauen Staubhaufen mit dem kleinen Finger zu einer Linie, steckt sich dann das Röhrchen in eines seiner drei Nasenlöcher und snifft in einem Zug die Linie rein.

«Wooohoo!», schreit er. «Des Zeug is ned übel!»

Jetzt brüllen alle durcheinander. «Ich auch!» «Ich als Nächster!» «Hey, lasst was für mich!»

Irgendwann ist der Aschehaufen weggesnifft und alle schauen sich bedrückt und etwas bewubbelt an.

«Scheisse, schon alle!», flucht einer.

«Wo habt ihr das her?», fragt der dünne Gmork.

 

Einige Zeit später erhält die Area 51 eine kodierte Nachricht aus dem All. Die besten Hacker und Programmierer der Welt werden zusammengetrommelt und machen sich an die Arbeit. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, dass eine extraterrestrische Botschaft nach Monaten entschlüsselt werden konnte:

«Bitte schickt das Zeug von jetzt an immer auf die Rückseite des Mondes. Besten Dank und mit freundlichen Grüssen.»