Der Schriftsteller

 

 

Der Schriftsteller sitzt an seinem ersten Roman und hat schon den Titel im Kopf: «Am Bachrand». Da bemerkt er mit Schrecken, dass ihm ein «A» und ein «D» fehlen. Ach nein, bitte nicht! Missmutig steht er auf, zieht Schuhe und Jacke an und zählt das Geld, bevor er die Geldbörse einsteckt.

 

Es ist schon spät und dunkel. Draussen bläst ein rauer Wind durch die Strassen. Als er nach rechts blickt, erkennt er gerade noch, wie ein Schatten um die Ecke in eine schmale Gasse verschwindet. Ohne zu zögern, folgt er ihm. Doch in der Gasse sieht er niemanden mehr. Er geht langsam weiter und guckt sich unsicher um. Im Halbdunkeln nimmt er einige Ratten wahr, die hinter eine Mülltonne rennen.

 

Plötzlich hört er eine Stimme: «Pssst!»

Er dreht sich um, sieht jedoch nichts.

«Pssst! Du da!»

«Ich?», antwortet der Schriftsteller.

«Genaaau!» Eine Gestalt löst sich im Dunkeln von einer Hauswand und kommt einige Schritte näher. Er hat einen Hut auf dem Kopf und trägt einen langen, schwarzen Mantel.

«Hey du!», sagt die Gestalt und öffnet eine seiner Mantelseiten. Darin hängt ein grosses «F».

«Möchtest du ein «F» kaufen?»

«Nein danke. Hab ich schon», sagt der Schriftsteller.

Die Gestalt blickt nervös nach links und rechts. Dann öffnet er seine andere Mantelseite. «Und wie wär`s mir einem «A»?»

«Genau das brauch ich! Wie teuer?»

«Seeehr teuer! Wird oft gebraucht. Das ist mein letztes.»

Der Schriftsteller nimmt seine Geldbörse und zählt das Geld.

«Primaaa!», meint die Gestalt und reibt sich die Hände. Dann packt er das «A» aus seinem Mantel und tauscht gegen das Geld. Der Schriftsteller steckt das «A» rasch in seine Jacke und blickt dann auf. Doch die Gestalt im Mantel ist spurlos verschwunden.

Scheisse! Er hätte doch noch dringend ein «D» gebraucht!

Jetzt heisst der Roman halt nicht «Am Bachrand», sondern «Am Bachufer».

 

 

 

 

 

 

 

 

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